Aktuelles aus dem Verein

Erwin In het Panhuis präsentiert zum CSD 2012 "Aufklärung und Aufregung: 50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO"

01. Juli 2012 | Traditionell beteiligen sich die Vereine und Gruppen der queeren Community am verlängerten ersten Augustwoche mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen am Christopher-Street-Day in Nürnberg. Auch Queer Culture Nürnberg e.V. sorgt 2012 wieder für ein Highlight: Gemeinsam mit dem Evang.-Luth. Dekanat Nürnberg, der Eichenkreuz-Sportarbeit der Evang. Jugend und der Deutschen Akademie für Fußballkultur hat der schwul-lesbische Kulturverein Erwin In het Panhuis nach Nürnberg eingeladen, dessen Ausstellung zum Thema "50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO" bundesweit Beachtung gefunden hat. Der Kölner Historiker wird im eckstein die Ergebnisse seiner Forschungen präsentieren, die er 2010 auch als Monographie veröffentlich hat.

     

Timo Schönleben, Mitglied im Vorstand des queeren Kulturvereins, ist sich sicher, dass der Vortrag ein breites Publikum finden wird. "Jeder kennt ja die BRAVO, und jeder hat so seine ganz eigenen Erfahrungen mit ihr", schmunzelt er. "Und auch das überregionale Presseecho zeigt ja das allgemeine Interesse an dem Thema." Über 100 Berichte sind bereits in Tageszeitungen wie der Süddeutschen, der taz, dem Tagesspiegel oder der Berliner Zeitung und online auf großen Nachrichtenportalen wie Stern.de und Focus.de erschienen, seit das "Coming-out der BRAVO" (B.Z.) in Buchform erhältlich und als Wanderausstellung in Köln, Berlin und vielen anderen Städten zu sehen ist.

"Die BRAVO hat ohne Zweifel Generationen geprägt", bekräftigt Schönleben. "Junge Menschen konnten in ihr Antworten auf Fragen finden, die sie zu Hause niemandem stellen konnten." Für queere Jugendliche galt das aber lange Zeit nicht im selben Maße: Homosexualität war in dem seit 1956 erscheinenden Magazin zunächst tabu. Erst ab Mitte der 60er Jahre wurde sie als krankhafte Abweichung vom Normalen zum Thema - und um die Jugend vor Verführung zu warnen. Ab 1969 kam mit Dr. Sommer die sexuelle Offenheit: Als dieser 1972 gleichgeschlechtliche Erlebnisse schilderte (u. a. seine eigenen), wurde die BRAVO auf den Index der jugendgefährdenden Schriften gesetzt und stand kurz vor dem Aus. Den Anstoß für einen der ersten Beiträge über Homosexualität und Musik boten Village People mit ihrem Hit Y.M.C.A. (1979). Mit Smalltown Boy wurde Jimmy Somerville dann 1984 zu einer wichtigen Galionsfigur der jungen Schwulenbewegung; das große Schweigen war nun endgültig vorbei. "Die Pubertät ist für jeden Heranwachsenden eine Herausforderung", fährt Schönleben fort. "Die Herausforderung wird aber sehr viel größer, wenn man in einem so sensiblen Bereich wie der Sexualität von der tradierten Norm abweicht und diese Abweichung von der Gesellschaft geächtet und kriminalisiert wird." In den letzten 20 Jahren habe sich viel getan in diesem Bereich, heute können auch queere Jugendliche in der BRAVO Antworten auf ihre drängenden Fragen finden. Hat sich das Magazin aber auf dem schwierigen Weg der schwul-lesbischen Emanzipation Verdienste erworben oder eher gebremst?

Erwin In het Panhuis, der für sein Buch über 1.000 Beiträge aus den letzten 50 Jahren untersucht hat, war als Diplom-Bibliothekar unter anderem beim SVD (heute LSVD), beim Centrum Schwule Geschichte in Köln und beim Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW angestellt. Er initiierte oder beteiligte sich an verschiedenen Buch- und Ausstellungsprojekten, etwa zu Homosexualität in der Filmgeschichte und Homosexualität in Köln von 1895-1918.

"Besonders toll ist, dass der Vortrag im Rahmen der Finissage der Ausstellung 'Gegen die Regeln' stattfinden kann", freut sich Schönleben. Die Wanderausstellung "Gegen die Regeln – Lesben und Schwule im Sport" der European Gay & Lesbian Sport Federation EGLSF ist bereits seit 15. Juni im eckstein (Burgstraße 1-3) zu sehen und wird von einem bunten Rahmenprogramm begleitet. Direkt vor dem Vortrag wird um 14 Uhr die letzte Führung durch die Ausstellung angeboten. "Queeres Leben sichtbar machen - das ist das gemeinsame Ziel von CSD, Ausstellung und Vortrag", fasst Schönleben zusammen. So macht es nur Sinn, dass im Anschluss an den Vortrag dann auch der Ausklang des Nürnberger Christopher-Street-Days im eckstein stattfindet: Mit Gesprächen, Prosecco, Kaffee- und Kuchenbüffet.


Alle Informationen zur Ausstellung "Gegen die Regeln - Schwule und Lesben im Sport" sowie das dazugehörige Begleitprogramm gibt es auf der Webseite des Evang.-Luth. Dekanats Nürnberg: http://www.nuernberg-evangelisch.de

Das gesamte Programm des CSD Nürnberg 2012 ist auf der Webseite des Fördervereins "Christopher-Street-Day" Nürnberg zusammengestellt: http://www.csd-nuernberg.de


Aufklärung und Aufregung.
50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO

Archiv der Jugendkulturen 2010

"Informativ, sorgfältig recherchiert, differenziert und flüssig geschrieben zeigt das liebevoll mit Bravo-Faksimiles garnierte Buch eine hochinteressante und unübliche Perspektive auf die Sexualberatung in der Bravo." (Wolfram Eifler, in: Kiez und Kneipe)

"Alle, die dieses Werk in ihrer Hand halten und nur durchblättern, haben diesen verträumten Blick in den Augen. Das Buch erweckt sofort Erinnerungen an die eigene Zeit der Pubertät. Absolut empfehlenswert." (Standpunkt)

"'50 Jahre Schwule und Lesben in der Bravo' besticht vor allem durch eine fundierte, kritische und unvoreingenommene Analyse – und ist damit das Gegenbild seines Gegenstands." (Enrico Ippolito, in: die tageszeitung)

Weitere Informationen und Pressestimmen: http://shop.jugendkulturen.de



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