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"Die langsame Kraft der politischen Satire": Vortrag von Erwin In het Panhuis über Homosexualität bei den Simpsons findet großen Anklang

04. August 2014 | Und wieder war das Haus voll: Am CSD-Sonntag - dieses Jahr der 3. August - präsentierte der Kölner Historiker Erwin In het Panhuis in einem ebenso spannenden wie unterhaltsamen Multimedia-Vortrag die Ergebnisse seiner 2013 erschienenen Untersuchung zu Homosexualität in 500 Folgen "Die Simpsons". Im gut gefüllten Vortragssaal des Glasbaus des Künstlerhauses Nürnberg folgte ein bunt gemischtes Publikum am letzten Tag des Nürnberger Christopher-Street-Days den kurzweiligen Ausführungen über Homer, Marge, Bart, Lisa, Maggie und die vielen anderen Charaktere der berühmten amerikanischen Zeichentrickserie.

Foto: © Axel Bach

     

Überraschend war selbst für Simpsons-Kenner, wieviele oftmals für den Normalzuschauer unverständliche Anspielungen mit schwul-lesbischem Hintergrund die Serie aufweist: Neben den bisher vier Episoden, die eine queere Haupthandlung aufweisen und den Figuren, die eindeutig homosexuell gezeichnet sind, gibt es in fast jeder Episode mindestens eine split-second Anspielung, nicht länger als eine Sekunde. Allerdings werden gerade die Einzeiler häufig durch die Übersetzung unverständlich.

Auch wenn wegen des Zeitrahmens bei weitem nicht alle mehr als 490 schwul-lesbische Szenen vorgeführt werden konnten, die In het Panhuis bei den Simpsons gefunden hat, und auch nicht alle mehr als 70 schwule und lesbische Figuren vorgestellt, die in seinem Buch näher beschrieben werden - der Vortrag entfaltete ein beeindruckendes Panorama des Umgangs der am längsten laufenden US-Zeichentrickserie mit dem Thema Homosexualität.

Das Nürnberger Publikum lernte etwa die schwulen Republikaner von Springfield kennen, die auf der Suche nach einem griffigen Symbol für ihre Gruppe sind. Einen hereinfliegenden rosa Luftballon in Form eines Elefanten ignorieren sie - obwohl der Elefant das Wappentier der Republikaner und Rosa die schwulenpolitische Signalfarbe schlechthin ist. Der Hintergrund: Pink elephant ist nur eine spöttisch bis hämische Fremdbezeichnung.

Auch die Diskussion über die Sexualität von Abraham Lincoln fand ihren Niederschlag bei den Simpsons: Lincoln schrieb ein Gedicht über die eheähnliche Verbindung zweier Männer, und in Abwesenheit seiner Frau durfte sein Leibwächter in seinem Bett übernachten. Gaybraham Lincoln wird der Präsident deshalb in der 22. Staffel genannt, in einer anderen Folge heiratet er gar George Washington und fasst Homer an den Hintern.

An der Szene, in der sich in wenigen Frames ein großer Teil des Simpsons-Teams als schwul outet - unabhängig davon, ob dies der Wahrheit entspricht - wird der gänzlich unverkrampfte Umgang der Serie (oft auch als liberales Feigenblatt des konservativen Senders Fox bezeichnet) mit dem Thema deutlich. Sie greift zwar auf einschlägige Klischees zurück, zeichnet aber insgesamt ein untypisch aufgeschlossenes Bild von Schwulen und Lesben.

Die Paradefigur für eher "einfache" Schwulenwitze ist Homer Simpson, der intellektuell nicht übermäßig begabte Familienvater. An ihm wird klar, dass vor der politischen Botschaft grundsätzlich der Witz steht, sein Verhältnis zu Homosexualität ist im Lauf der Serie nicht sehr konsistent. So küsst er in der Serie mehr als fünfzig Mal andere Männer auf den Mund, ist mal hetero, mal schwul, mal homophob. Gerade Homers homophobe Seite nutzt die Serie dann allerdings, um sich über Homophobie lustig zu machen.

Der Simpson-Humor bedient nicht nur Vorurteile: Weil neben klassischen Klischee-Tunten auch lesbische Mütter und schwule Grenzbeamte gezeigt werden, wirkt die manchmal klischeehafte Darstellung auch nicht wie plumpe Gleichsetzung. Die Simpsons nehmen alles und jeden aufs Korn - auch Schwule und Lesben. Das aber auf eine Weise, die keinen Zweifel daran lässt, dass Homosexualität eben einfach eine Spielart des Lebens ist. Letztlich passte der Vortrag damit perfekt zum Motto des diesjährigen Nürnberger Christopher-Street-Days: "Gute Liebe - schlechte Liebe? Wir lieben doch nicht anders!"


Hinter den schwulen Lachern.
Homosexualität bei den Simpsons

Archiv der Jugendkulturen 2013

"Mit akribischer Detailfreude hat Erwin In het Panhuis alle Infos über das queere Springfield wie in einem Kompendium zusammengestellt. Die wunderbar ausgewählten Filmstills transportieren die Komik der Serie kongenial." (Siegessäule 2013)

"'Hinter den schwulen Lachern' ist der bisher erste Versuch, die unzähligen Anspielungen und Kalauer bei den legendären Simpsons auf die gleichgeschlechtliche Liebe auch wissenschaftlich auszuwerten. Entsprechend groß ist die Medienresonanz auf das Buch, das bereits in mehr als 20 Ländern besprochen wurde. Selbst aus Russland, wo die Serie zensiert ausgestrahlt wird, kommt ein positives Echo; die Voice Of Russia schreibt: '...treated homosexuality as normal'." (LSVD Landesverband Saarland)

"Ein unglaublich umfangreiches, abwechslungsreiches und amüsantes Werk, das nicht nur dem schwulen Simpsons-Fan dringend empfohlen sei. Großartig!" (hinnerk)

Weitere Informationen und Bestellung: http://shop.jugendkulturen.de



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